Individuelle Impfempfehlung?    Ist das sinnvoll?

Das Thema „Schutzimpfung“ ist bei vielen Eltern ein sehr emotional diskutiertes Thema geworden. Wenn diese Eltern dann vor der Entscheidung stehen, ob und wie ihre Kinder vor schwerwiegenden Infektionskrankheiten mittels Impfungen geschützt werden sollen, werden gerne diverse Ratgeber im Internet, in der Krabbelgruppe oder auch die Hebamme konsultiert. Schnell findet man dann neben vielen fragwürdigen Quellen auch den LINK zu „Ärzte für individuelle Impfentscheidung e.V.“ Das kling doch gut, weil diese Ärzte offenbar eine objektive Hilfestellung zur Entscheidungsfindung sind. Gemäß dem Motto „ich will ja nur das beste für mein Kind“ lassen sich einige Eltern schließlich auf die seriös klingenden Argumente dieses Vereines ein, die überdies von allen Suchmaschinen im Internet stets ganz weit vorne gelistet werden. Alle dort abrufbaren Informationen scheinen richtig zu sein, weil sie mit seriös wirkenden Quellenangaben untermauert erscheinen. Daher fühlen sich dort viele Leserinnen und Leser gut, umfänglich und hinreichend kritisch beraten.

 

Aber Vorsicht!

 

Wer sich als fachkundiger und kritischer Leser auf die Ausführungen der „Ärzte für individuelle Impfentscheidung e.V.“ einlässt, wird schnell zum Schluss kommen, dass es zwischen den Zielen des Vereins und der abschließenden Botschaft an die Eltern eine große inhaltliche Differenz gibt. Vordergründig wird das Impfen in seinen Grundzügen durchaus befürwortet, aber die Beratung durch einen der bundesweit ca. 185 Vereinsmitglieder (das sind 0,1% der 152.000 ambulant tätigen Ärzte) legt dann doch nahe, den optimalen Impfzeitpunkt weit nach hinten zu verschieben, veränderte Rhythmen zu wählen oder sogar auf einzelne Impfkomponenten ganz zu verzichten. Oftmals werden Eltern unbemerkt mit sehr veralteten Studien oder bewussten Falschaussagen so beeinflusst, dass eine objektive Information und Entscheidungsfindung für sie unmöglich wird oder sogar zum Schaden des Kindes führen kann.

 

Ein aktueller Fall aus der eigenen Praxis:

Ein aktueller Fall aus meiner Praxis

"Längerfristig ist der Nutzen der (Meningitis-C)-Impfung fraglich, da der Impfschutz bei Kleinkindern rasch nachlässt und bereits nach einem Jahr unsicher ist. Bereits nach ein bis zwei Jahren sind kaum noch schützende Antikörper nachzuweisen (SNAPE 2005). Die schnell absinkenden Antikörper sind im Fall einer Infektion dann nicht mehr in der Lage, die überfallartige Infektion mit Meningokokken zu stoppen (SPOULOU 2007)."

Eine junge Mutter war sich unsicher, was es mit der Meningitis-C-Impfung auf sich hat (Erreger einer sehr gefährlichen Gehirnhautentzündung). Über Umwege geriet sie an einen anthroposophischen Arzt für individuelle Impfaufklärung in Berlin und erfuhr von diesem, dass ein Impfschutz nur sehr kurz anhält und somit nicht zuverlässig sei. Auf der Internetseite des Vereins findet sich dazu Gleichlautendes:

Was dieser Kollege der Mutter verschwiegen hat ist, dass der, in der Untersuchung von 2005 genannte Impfstoff (Polysaccharid-basiert) noch nicht zum Einsatz kam. Bereits in der Frühphase wurde nämlich erkannt, dass er für eine lang anhaltende Wirkung ungeeignet ist. Erst seit 2006 wird ein neu entwickelter Impfstoff für Kinder zwischen 0 und 2 Jahren öffentlich empfohlen und praktisch flächendeckend angewendet. Er gewährleistet bereits mit nur einer Injektion eine sehr sichere und lang anhaltende schützende Wirksamkeit. Die Nebenwirkungsrate ist extrem gering. 

 

Das Vermitteln völlig veralteter und das Unterlassen wichtiger aktueller Informationen ist unethisch, weil das zu einer Fehlentscheidung der Eltern führen muss – wie bei meinem geschilderten Praxisfall. Glücklicherweise sind die Kinder in diesem Fall nach nun fast einjähriger, unnötiger Verzögerung in ein paar Wochen vollständig geschützt.

Fazit: 

Der geschilderte Fall ist leider kein Einzelfall. Die aktuellen STIKO-Empfehlungen zu Schutzimpfungen stellen derzeit das beste Gleichgewicht zwischen Möglichkeiten, Notwendigkeiten und Verträglichkeit von Infektionsschutz dar. Unter normalen Voraussetzungen stellt jeder „individuelle Impfplan“ wieder ein unnötig erhöhtes Gesundheitsrisiko für Ihr Kind, aber auch die Gesellschaft dar.

Weiterführende Informationen zu Impfungen: LINK

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