Auszug aus einem Merkblatt für Ärzte

 

Stand 1997 - Herausgegeben vom Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin und Robert Koch-Institut

1.    Wesen und Erkrankung

2.    Epidemiologie

3.    Krankheitsbild

4.    Diagnose

5.    Behandlung

6.    Gesetzliche Bestimmungen

 

1. Wesen der Erkrankung

 

Die Pediculosis capitis ist eine durch Kopfläuse hervorgerufene parasitäre Erkrankung des Menschen. Die Läuse verursachen durch Stich mit ihrem Stechsaugrüssel, mit dem sie mehrmals am Tage Blut als Nahrung aufnehmen und zugleich Speicheldrüsensekrete in die Wunde einbringen, einen lästigen Juckreiz. Kratzwunden können sich sekundär infizieren.

 

Von den Weibchen werden Eier (Nissen) an den Kopfhaaren abgelegt und haften dort infolge eines am hinteren Eipol befindlichen, schnell härtenden und überaus widerstandsfähigen Klebesekretes sehr fest, so dass sie durch einfache Haarwäsche nicht entfernt werden können. Die Nissen werden meist in die Nähe des Haaransatzes geklebt, oft eine über der anderen. Von Kopfschuppen oder von Haarspraypartikeln unterscheiden sich Eier dadurch, dass sie fest am Haar haften und nicht abgestreift werden können.

 

Außer an Kopfhaaren können Nissen auch an anderen behaarten Stellen des Oberkörpers abgelegt werden, z. B. im Bart, in den Augenbrauen oder an Achselhaaren. Bei sehr starker Verlausung werden sie auch an Stofffasern von Kopftüchern, Mützen, Schals, Haarbändern etc. geklebt.

 

Die Entwicklung der Kopfläuse verläuft über Eier und Larven und ist von der Temperatur und Luftfeuchtigkeit der Umgebung abhängig. Je wärmer es ist, desto schneller läuft die Entwicklung ab. Der gesamte Lebenszyklus vom Ei über Larvenstadien bis zum nächsten Ei kann schon in 18 Tagen abgeschlossen sein, im Regelfall beansprucht er drei Wochen. Die geschlechtsreifen Läuse sind dann ca. 2,4 bis 3,1 mm groß.

 

2. Epidemiologie

 

Kopfläuse sind stationäre Ektoparasiten des Menschen. Als potentielle Krankheitsüberträger haben sie in unseren Breiten derzeit keine Bedeutung.

 

Die Übertragung der Kopfläuse erfolgt von Mensch zu Mensch durch Überwandern der Parasiten von einem Kopf zum anderen; auch über gemeinsam benutzte Kopfunterlagen, Decken, Kämme, Haarbürsten, Spieltiere und dergleichen ist eine Weiterverbreitung möglich.

 

3. Krankheitsbild

 

Durch das beim Läusestich in die Haut eindringende Toxin entsteht Juckreiz. Kratzeffekte finden sich vorwiegend über und hinter den Ohren sowie am Hinterkopf und im Nacken. Durch bakterielle Sekundärinfektionen kann das klinische Bild eines Ekzems mit bevorzugtem Sitz an den erwähnten Stellen entstehen. Dies wiederum führt zu regionalen Lymphknotenschwellungen. Bei entzündlichen oder eiternden Herden an den Rändern der Kopfbehaarung ist stets auch an Kopflausbefall zu denken.

 

4. Diagnose

 

Die Inspektion muss sich besonders auf die bevorzugten Aufenthaltsstellen der Kopfläuse erstrecken, nämlich auf die Schläfen-, Ohren und Nackengegend. Nissen und Läuse sind mit bloßem Auge zu erkennen, eine Lupe erleichtert die Diagnose.

 

5. Behandlung

 

Als Zubereitungen für die Läusebekämpfung werden in der Bundesrepublik Deutschland u. a. flüssige Präparate auf der Basis von Pyreterum hergestellt. Diese Substanz allein ist nicht ovizid (Nissentötend). Durch geeignete Zusatzstoffe und Lösungsmittel liegt jedoch z. B. mit dem pyrethrumhaltigen gebrauchsfertigen Einreibemittel Goldgeist® forte ein Mittel vor, das während seiner Einwirkungszeit Läuse und bei sachgerechter Anwendung auch die Nissen abtötet. Die schlüpfenden Larven werden bereits in den Eiern derart vorgeschädigt, dass sie nicht mehr weiter entwicklungsfähig sind. Dazu soll das trockene Haar seiner Fülle entsprechend mit dem Präparat gründlich durchtränkt und massierend eingerieben werden. Die Einwirkungszeit beträgt mindestens 30 bis höchstens 45 Minuten. Anschließend sollen die Haare gründlich mit warmem Wasser ausgespült, mit einem frischen (!) Tuch abgetrocknet und mit einem feinen Kamm zur Entfernung der Nissen ausgekämmt werden.

 

Eine andersartige Aufbereitung liegt im Jacutin®-Gel vor. Darin ist in einem Trägergel der Wirkstoff g-Hexachlorcyclohexan (Lindan) gelöst. Dieser wirkt auf Läuse als Berührungs- und Atemgift. Auch nachschlüpfende Larven werden während des Schlupfes oder kurz danach durch die noch im Haar verbliebenen Restmengen des g-Hexachlorcyclohexans letal geschädigt. Mittelanwendung: Nach Anfeuchten der zuvor gereinigten Kopfhaare werden darin und auf dem Kopfboden zwischen 5 und 15 g des Mittels je nach Haardichte und -länge durch wiederholtes Kämmen gleichmäßig verteilt. Das gilt auch für das Schläfen- und das Nackenhaar. Das im trockenen Haar unauffällige Mittel muss dort für drei Tage verbleiben. Erst danach soll eine Kopfwäsche folgen. Wenn dazu ein lang- und sehr feinzinkiger Kamm gewählt wird, können die meisten toten oder irreversibel geschädigten Eier sowie die toten Läuse relativ leicht entfernt werden. Insbesondere bei Kindern ist darauf zu achten, dass das Mittel nicht auf Schleimhäute gelangt oder geleckt wird.

 

Das Quellada® H Hexachlorcyclohexan Shampoo hat eine Einwirkungszeit von wenigen Minuten und kann deshalb besonders bei Kleinkindern angewandt werden.

 

Weitere zugelassene Mittel sind Jacutin® N Spray, Organoderm® Lösung und Quella-da® P Pyrethrine Shampoo.

 

Die vorgenannten Bemerkungen zu den Präparaten enthalten Hinweise zur Anwendung. Sie ersetzen keinesfalls die notwendige Lektüre der Gebrauchsinformation. Die Behandlung von Säuglingen und Kleinkindern sollte unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

 

Während der Schwangerschaft und in der Stillzeit sollten die genannten Präparate nicht verwendet werden. Unbedenklich für diesen Personenkreis ist eine Behandlung durch mehrfaches Spülen der Haare mit lauwarmem Essigwasser (drei Esslöffel Essig auf einen Liter Wasser) und anschließendes Auskämmen der noch feuchten Haare mit einem Nissenkamm. Manche Nissen haften so fest, dass sie auch bei sorgfältigem Auskämmen nicht entfernt werden.

 

Um ganz sicher alle Parasiten zu entfernen, werden die Haare vom Nacken her in kleinen Büscheln gesichtet und Haare mit noch anhaftenden Nissen nahe der Wurzel abgeschnitten. Diese Methode ist sehr zeitaufwendig, hat sich in der Praxis aber bewährt.

 

Die dermatologische Behandlung der Haut, vor allem der im Befallsbereich oft vorhandenen bakteriellen Sekundärinfektion, ist nach Beseitigung der Läuse und Nissen durchzuführen. Die Auswahl des geeigneten Mittels ist Sache des Arztes.

 

Ergänzende Maßnahmen: Zur völligen Tilgung des Kopflausbefalls und zur Vorbeugung gegen Neuansteckung ist außer der Behandlung der Kopfhaare eine gründliche Reinigung des Kammes und der Haar- und Kleiderbürsten notwendig. Handtücher, Leib- und Bettwäsche sollten sicherheitshalber gewechselt und bei 60 °C gewaschen werden. Die Oberbekleidung, in der sich ausgestreute Kopfläuse befinden können, muss entweder gewaschen, mit läusetötenden Mitteln besprüht oder aber in einer Desinfektionsanstalt entwest werden. Oberbekleidung kann auch in einen gut schließbaren Plastikbeutel gesteckt und darin für vier Wochen belassen werden. Dadurch wird eine Abtötung der Läuse und ein Aushungern der später noch schlüpfenden Larven erzielt.

 

Nicht nur die läusebefallene Person, sondern auch deren Familienangehörige, ggf. weitere Personen mit engem Kontakt zum Befallenen, sollten sich einer Untersuchung und erforderlichenfalls einer Behandlung unterziehen. In Kindergärten, Schulen und anderen Gemeinschaftseinrichtungen muss ein entsprechend größerer Kreis untersucht werden. Dies ist wichtig zur Vermeidung einer Reinfektion der behandelten Person! Bei starkem Befall sollten sicherheitshalber auch die Aufenthalts- und Schlafräume der Betroffenen von ausgestreuten Läusen befreit werden. Dazu sind die Böden und Polstermöbel mit einem Staubsauger gründlich von losen Haaren zu reinigen und ggf. zu entwesen. Das gilt insbesondere für textile Kopfstützen, vor allem in Schulbussen, und textiles Spielzeug wie Plüschtiere in Gemeinschaftseinrichtungen. Auf Kleidungsstücken, Perücken und anderen kleinen Gegenständen können die Läuse auch ohne Einsatz chemischer Mittel durch 45 °C warme, trockene Luft, angewendet über 60 Minuten, oder durch das Einbringen der Gegenstände in Kälteboxen bei -10 °C bis -15 °C über einen Tag abgetötet werden. Es empfiehlt sich, mit der sicheren Entlausung von Räumen und Einrichtungen (z. B. Schulen und Kindergärten) Fachkräfte zu beauftragten.

 

6. Gesetzliche Bestimmungen

 

Gemeinschaftseinrichtungen: Gemäß § 45 Abs. 1 BSeuchG dürfen Lehrer, zur Vorbereitung auf den Beruf des Lehrers in Schulen tätige Personen, Schüler, Schulbedienstete und in Schulgebäuden wohnende Personen, die verlaust sind, die dem Unterricht dienenden Räume nicht betreten, Einrichtungen der Schule nicht benutzen und an Veranstaltungen der Schule nicht teilnehmen, bis nach dem Urteil des behandelnden Arztes oder des Gesundheitsamtes eine Weiterverbreitung der Verlausung durch sie nicht mehr zu befürchten ist.

 

Die Weiterverbreitung der Läuse ist bei sachgerechter Anwendung der Mittel schon nach Ablauf von deren Einwirkzeit nicht mehr zu befürchten. Leider werden die Mittel gerade durch Laien oft falsch oder nicht ausreichend angewendet. Sind Nissen nicht gründlich beseitigt, schlüpfen nach etwa acht Tagen die Larven der nächsten Generation. Aus Gemeinschaftseinrichtungen wird häufig von erneutem Läusebefall nach zwei bis drei Wochen berichtet. Tatsächlich werden die Parasiten aber nicht neu eingeschleppt, sondern bei unzureichend behandelten Personen werden wieder Läuse festgestellt. Deshalb ist dringend anzuraten, dass Fachpersonal (in der ärztlichen Praxis, dem Gesundheitsamt, aber auch in Kindergärten und Schulen) den Behandlungserfolg durch sorgfältige Inspektion der zuvor befallenen Körperstellen kontrolliert.

 

Die genannten Bestimmungen gelten gemäß § 48 Abs. 1 BSeuchG auch für Schülerheime, Schullandheime, Säuglingsheime, Kinderheime, Kindergärten, Kindertagesstätten, Lehrlingsheime, Jugendwohnheime, Ferienlager und ähnliche Einrichtungen.

 

 

Quelle: Bundesgesundhbl. 3/98; 136 - 136

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Kopflausbefall