Muss sich eine stillende Mutter anders ernähren, als jeder andere Mensch ?

 

Nein, dass sollte sie nicht machen! Sie sollte sich gesund, abwechslungsreich und je nach Appetit essen.

 

Immer wieder höre ich von dem verbreiteten Glauben, dass blähendes Gemüse und säurehaltige Lebensmittel Bauchschmerzen und einen wunden Po beim gestillten Säugling verursachen. Für diese Behauptung gibt es jedoch keinerlei Nachweise. Da Gemüse, Obst und Getreideprodukte andererseits für eine ausgewogene Ernährung dringend notwendig sind, sollte wegen der unbegründeten Ratschläge nicht auf sie verzichtet werden. So sind Tomaten, Orangen und Kohl die beste Quelle für Folsäure. Die grundlegende Zusammensetzung der Muttermilch ist unabhängig von der Ernährung der Mutter. Der Gehalt an bestimmten Nährstoffen, wie Vitaminen und Fettsäuren, hängt allerdings von der Ernährung der Mutter ab. Langkettige, mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind wichtig für eine optimale Gehirnentwicklung des Babys. Deshalb wird Stillenden geraten, in ihrer Ernährung fettreichen Seefisch (möglichst 2-3 Mal die Woche Lachs, Hering oder Makrele) und wertvolle pflanzliche Öle (z.B. Raps-, Oliven-, und Leinöl) zu berücksichtigen.  

 

Wenn die stillende Mutter ihren Instinkten folgt und all die Dinge isst, worauf sie Appetit hat, wird auch das gestillte Kind bestens versorgt.

 

Mit der Muttermilch gibt die Mutter Energie und Nährstoffe an das Kind weiter. Sie muss daher mehr essen als eine nicht stillende Mutter. Dieser Mehrbedarf ist sogar größer als während der Schwangerschaft. Diesen Mehrbedarf soll die Stillende durch eine ausgewogene Mischkost, d.h. durch viel Gemüse, Kartoffeln, Vollkornprodukte und Obst und etwas Fisch, Fleisch, Eier, Milchprodukte, Fette und Öle decken. Wenn eine vollstillende Mutter sich ausgewogen ernährt und sparsam mit Süßem und Fettreichem umgeht, wird sie auch langsam abnehmen. Damit werden die in der Schwangerschaft angelegten Fettreserven allmählich abgebaut.

 

Die durchschnittliche Gewichtsabnahme nach der Geburt beträgt monatlich 0,5-1kg, wobei die größte Gewichtsabnahme bei vollstillenden Frauen in der Regel zwischen dem 3. und 6. Monat stattfindet.

 

Durch das Stillen entsteht auch ein Mehrbedarf an Wasser, und der Durst der Mutter steigt automatisch. Es macht aber keinen Sinn, das Trinken über das natürliche Verlangen hinaus zu forcieren. Durch eine über das notwendige Maß hinausgehende vermehrte Flüssigkeitsaufnahme nimmt die Milchmenge ab und die Stillkinder gedeihen schlechter. Wenn die Flüssigkeitszufuhr andererseits eingeschränkt ist, wird die Menge des Urins konzentriert, die Milchmenge bleibt jedoch konstant. Deshalb sollte die stillende Mutter nach Durst trinken. Dazu eignet sich am besten Leitungs- oder Mineralwasser, pur oder nach Bedarf mit etwas Obstsaft gemischt. Auch Tee wird in Maßen empfohlen. Limonaden oder gar alkoholische Getränke eignen sich zum Durstlöschen natürlich nicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

Zurück

  Literatur dazu:

 

  1. Kersting M: Ernährung der stillenden Mutter und Beikost für das Kind. Stillen und Muttermilchernährung, Grundlagen, Erfahrungen und Empfehlungen; Gesundheitsförderung konkret Band 3, von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.), Köln 2001.
     
  2. Kersting M, Alexy U, Rothmann N: Fakten zur Kinderernährung. Hans Marseille Verlag GmbH München, 2003
     
  3. Riordan J und Auerbach KG: Breastfeeding and Human Lactation, 2. Auflage, 1999; Jones and Bartlett Publishers
     
  4. Lawrence RA und Lawrence RM: Breastfeeding. A guide for the medical profession. 5. Auflage, 1999, Mosby und 6. Auflage, 2005, Elsevier Mosby  
                                                                                                          
  5. American Academy of Pediatrics: New mother's guide to breastfeeding. Bantam Books, 2002.
     
  6. American Academy of Pediatrics: Guide to your child's nutrition.Villard New York, 1999.
     
  7. Omega-3-Fettsäuren: So sind Sie gut versorgt. Stiftung Warentest 2005/8, S. 90
Stillen und Ernährung der Mutter