„Die Zigaretten kann ich doch überall kaufen – keiner hat was dagegen. Auch das Rauchen vor der Schule interessiert doch niemanden“, so die 13-jährige Kathrin.

 

„Zwar gibt es im Jugendschutzgesetz von 1985 einen Paragrafen 9, der das Rauchen in der Öffentlichkeit verbietet, wenn Kinder jünger als sechzehn Jahre alt sind, doch daran hält sich niemand“ beklagt der Vorsitzende des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Brandenburg (BVKJ) - Dipl.-Med. Jens-Uwe Köhler.

 

Schätzungsweise 40-50% der 12- bis 16-jährigen Kinder rauchen bereits regelmäßig die Droge Nikotin.

 

Der Kampf gegen Drogenmissbrauch muss bereits im Kindesalter beginnen. „Klare Regeln zu Hause von Anfang an und das eigene gute Vorbild minimieren die Gefahr des Abgleitens in eine Sucht, elterliches Desinteresse und allzu laxe Erziehungsmethoden wirken sich auch hier negativ aus.“ Daran erinnerte auch jüngst  der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Deutschlands anlässlich des internationalen Tages gegen Drogenmissbrauch. „Nicht nur Kinder, auch Eltern müssen daher stark gemacht werden gegen Drogen,“ so der Suchtbeauftragte des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Dr. Wolf-Rüdiger Horn.

 

„Der selbstverständliche Zigaretten- und auch Alkoholkonsum vieler Kids wird in erster Linie durch das Vorbild der Eltern geprägt. So rauchen Kinder rauchender Eltern doppelt so häufig wie Kinder nichtrauchender Eltern, wobei das Risiko bei einer rauchenden Mutter deutlich höher liegt. Viele Eltern übersehen diesen Zusammenhang, sie unterschätzen zudem die Gefahren des Rauchens.“ An dieser Fehleinschätzung sind nach Ansicht des Suchtbeauftragten Gesundheits- und Ordnungspolitiker schuld, die Drogen aufspalten in einerseits "böse = illegale" Drogen, die es kriegsartig zu bekämpfen gilt, und andererseits "gute = gesellschaftlich akzeptierte" Drogen wie Medikamente, Coffein, Nikotin und Alkohol. Wolf-Rüdiger Horn: „Dabei geht dann leicht unter, dass jeden Tag schätzungsweise 1000 Jugendliche in Deutschland regelmäßige Raucher werden, von denen ein Drittel vorzeitig an Lungenkrebs, Herzkreislauferkrankungen und anderen tabakbedingten Erkrankungen sterben wird. Auch scheint es niemanden zu beunruhigen, dass einer von vier Todesfällen bei jungen Männern zwischen 15 und 29 Jahren auf Alkohol zurückzuführen ist.“

 

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte fordert die verantwortlichen Politiker daher zu einer ehrlicheren und umfassenderen Präventionspolitik auf.  

Dazu gehören die Intensivierung und flächendeckende Verbreitung gesundheitsfördernder Programme in Schulen, das Verbot  öffentlicher Alkohol- und Tabakwerbung, erschwerter Zugang zu Alkohol und Tabak für Kinder und Jugendliche, langfristige massenmediale Programme und Preiserhöhungen, die bei der preissensiblen Jugend nachweisbare Effekte aufweisen. Gleichzeitig dürfen die Gefahren von Cannabis, Partydrogen und Heroin nicht verharmlost werden. Die Trennung in legale und illegale Drogen ist dagegen für die Prävention unsinnig und überholt.

Eltern, deren Kinder bereits die ersten Erfahrungen mit Zigaretten, Alkohol und anderen Drogen gemacht haben, sollten deshalb nicht panisch und mit strengen Verboten reagieren, sondern das gemeinsame Gespräch suchen und dabei ohne falsches Moralisieren geeignete Regeln des Zusammenlebens aufstellen, die der Eigenverantwortung der Kinder und Jugendlichen Raum lassen. Gleichzeitig sollten sie zusammen mit den Jugendlichen Rat bei ihrem Kinder- und Jugendarzt suchen, der die Familie meist schon jahrelang kennt, Kontakte zu anderen Hilfsangeboten aufbauen und daher helfen kann.

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Eltern stark machen